DAT Barometer Februar 2025: Schwerpunkt Rahmenbedingungen

Der Weg zum E-Auto führt über den Gebrauchtwagenmarkt.

Der Hochlauf der Elektromobilität entwickelt sich nach wie vor viel langsamer, als sich das die Politik erhofft hatte. E-Autos sind noch keine Selbstläufer, und ein Umstieg von über 40 Mio. privaten Pkw-Haltern auf einen rein batterieelektrischen Antrieb braucht Zeit. Das muss allen wirtschaftlichen und politischen Akteuren klar sein. Und das Wich­tigste hierbei ist: Er muss bezahlbar sein.

Seit dem Ende der staatlichen Förderprämien fehlen aber offenbar den Menschen die Anreize. Diejenigen, die sich ein E-Auto kauften, gaben im DAT Report 2025 als Haupt­grund das Interesse an der Technik an. E-Mobilität ist also immer noch sehr weit weg vom Massenmarkt, das zeigen auch die Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes in diesem DAT Barometer.

Immerhin hat aber jeder vierte Pkw-Halter bereits Erfahrung mit einem E-Auto gemacht. Und diese Gruppe urteilt insgesamt auch deutlich positiver über die Elektromobilität. Diese „E-Erfahrenen“ würden viel eher ein E-Auto beim Kauf in Erwä­gung ziehen, und auch was die Attraktivität von BEV-Gebrauchtwagen betrifft, ist diese Teilgruppe deutlich aufgeschlossener als der Durchschnitt. 

Apropos BEV-Gebrauchtwagen: Auffällig ist, dass sich zurzeit mehr Endverbraucher für ein gebrauchtes als für ein neues BEV entscheiden. Die Zahlen dieses DAT Barometers zeigen das deutlich. 137.000 neue BEV und 173.000 gebrauchte BEV wurden letztes Jahr von Pri­vat­per­sonen erworben. Die Anschaffungspreise spielen hier mit Sicherheit eine ent­schei­dende Rolle, und die Technik der gebrauchten E-Autos von heute ist besser als die der gebrauchten Elektroautos von gestern.

Aber unterm Strich brauchen die Men­schen ihre individuelle Mobilität jeden Tag – egal mit welcher Antriebsart.

Gebrauchtwagenmarkt bleibt stark:

Das Jahr 2024 war ein gutes Gebraucht­wagen­jahr. Mit +7,4% gegenüber 2023 zeigt sich, welch große Bedeutung dieser Markt für die Sicherstellung der Mobilität hierzulande hat. Die Neuzulassungen lagen dagegen leicht unter Vorjahr, besonders schwach war hier die private Nachfrage. Die gewerb­lichen Zulassungen konnten bei schlechter wirt­schaft­licher Gesamtlage den Rückgang der privaten Nach­frage nicht kompensieren. Ausgeblieben ist zum Jahres­ende auch der erwartete Neu­zulassungs­schub von stärkeren Ver­brennern, die ab 2025 die geltenden strengeren CO2-Richtlinien gefährden könnten. Der Januar 2025 ist bei den Neu­zulassungen verhalten gestartet und bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die Besitz­um­schrei­bungen lagen dagegen deutlich über dem Vor­jahresmonat.

Mehr BEV-Gebrauchtwagen als private BEV-Neuwagen:

Die Endverbraucher haben im Jahr 2024 mehr gebrauchte als neue BEV erworben. In Zahlen waren dies aufs Gesamtjahr addiert 173.034 Besitzumschreibungen und 136.570 private Neuzulassungen. Bei den privaten BEV-Neuzulassungen ist auffällig, dass der Juni mit knapp 19.000 Einheiten deutlich über dem monatlichen Mittelwert von rund 11.000 BEV-Neuzulassungen lag. Verstärkte Rabattaktionen einzelner Hersteller, die bis zur Jahresmitte liefen, könnten eine Auswirkung gehabt haben. Generell ist aber der Juni auch ein starker Monat für den privaten Neuwagenmarkt. Entsprechend deutlich war dann auch der Rückgang in der zweiten Jahreshälfte, während sich der Gebrauchtwagenmarkt für BEV als robust mit über 16.000 Einheiten im Mittel halten konnte. Zum Start ins neue Jahr setzte der BEV-Gebrauchtwagenmarkt mit 16.636 Einheiten ein deutliches Zeichen, während nur 9.748 neue BEV von Privatpersonen erworben wurden.

Mehr PHEV-Gebrauchtwagen als private PHEV-Neuwagen:

Ähnlich wie bei den BEV haben die Endverbraucher im vergangenen Jahr auch mehr PHEV auf dem Gebrauchtwagenmarkt als auf dem Neuwagenmarkt erworben. Die PHEV-Gebrauchtwagen stellen mit 140.356 Einheiten eine nennenswerte Größe dar, während PHEV-Neuzulassungen (33.942 Einheiten) deutlich unter denen der BEV lagen. Kein Wunder, für einen PHEV-Neuwagen wurden im vergangenen Jahr laut DAT Report über 55.000 Euro aufgerufen, während für einen BEV im Schnitt 46.000 Euro bezahlt wurde. Zudem ist der Markt für gebrauchte PHEV und BEV aufgrund der zahlreichen Leasingrückläufer attraktiver geworden, denn aktuell gebrauchte PHEV und BEV sind technisch interessanter und deutlich weiter als noch die Gebrauchtwagen der vergangenen Jahre.

Pkw-Bestand fest in privaten Händen:

Die Zusammensetzung des Neuwagenmarktes mit seinem hohen gewerblichen Anteil (68% von 2,8 Mio. Einheiten) wird fälschlicherweise oft auf den Pkw-Bestand übertragen. Tatsächlich sind aber nur 12% und damit nur knapp 6 Mio. Pkw im Bestand auf gewerbliche Halter zugelassen. Der größte Teil (88%) und damit nahezu jedes Auto auf Deutschlands Straßen gehört einem privaten Halter. Dieser Fakt ist vor allem vor dem Hintergrund der Transformation zur Elektromobilität sehr wichtig. Denn eine so große Menge an privaten Haltern auf Elektromobilität umzustellen, braucht seine Zeit. In Zahlen betrifft dies 43,5 Mio. Pkw, die auf private Halter zugelassen sind. Hiervon sind erst 2% oder knapp 946.000 rein batterieelektrische Pkw.

Eigenes Auto bleibt für Endverbraucher unverzichtbar:

Das Automobil ist für die Menschen in Deutschland weiterhin das wichtigste Transportmittel. Für 82% aller repräsentativ für den DAT Report 2025 befragten Pkw-Halter ist es unverzichtbar, um die Mobilität im Alltag sicherzustellen. Dieser Wert ist im Vergleich zum Vorjahr nochmals leicht gestiegen. Gleichzeitig bleibt die kritische Sicht der Endverbraucher auf das Thema E-Mobilität ein zentrales Thema. 77% aller Pkw-Halter bestätigten, ihr aktuelles Fahrzeug länger halten zu wollen, um die weitere Entwicklung bei der E-Mobilität abzuwarten. In der weiteren Beurteilung der E-Mobilität und bei der Auslotung der Chancen für den Hochlauf bleibt die eigene Erfahrung mit BEV elementar wichtig: 26% und damit jeder vierte Pkw-Halter ist bisher bereits selbst ein E-Auto gefahren. Diese Gruppe der E-Erfahren zeigt insgesamt ein größeres Interesse an E-Mobilität und ist ihr gegenüber deutlich aufgeschlossener.

Methodik

Das DAT Barometer ist eine Momentaufnahme aus primär- und sekundärspezifischen Daten des Automarkts. Monatlich werden hierzu umfangreiche Auswertungen vorgenommen, darunter v. a. aus Datenbanken der DAT und des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung der Sprachformen „männlich“, „weiblich“ und „divers“ verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter, es sei denn, es wird im Text explizit darauf hingewiesen.

Grundsätzliche Hinweise

Unter dem Namen „DAT Diesel-Barometer®“ wurde im April 2017 eine monatliche Online-Publikation der DAT ins Leben gerufen, um die Diskussion um den Diesel zu versachlichen. Gemäß dem Auftrag der DAT, als neutrale Instanz die Daten der Automobil­branche zu sammeln, anzureichern und diese wieder strukturiert dem Markt zur Verfügung zu stellen, konnte eine umfangreiche Wissens­plattform geschaffen werden. Diese soll unter dem Namen DAT Barometer auch weiterhin als Grundlage all denjenigen dienen, die sich in öffentlichen Diskussionen über Themen aus der Automobil­branche vorzugsweise auf Fakten als auf Meinungen stützen. Die unterschied­lichen Perspektiven (private Autokauf­planer, Pkw-Halter, Automobil­händler, Fuhrpark­verantwortliche) der einzelnen Veröffentlichungen zeigen hierbei das Spektrum des Marktes und dessen Sicht auf die individuelle Mobilität.

Sämtliche im DAT-Barometer enthaltenen Angaben sind urheber­rechtlich geschützt. Nachdruck und foto­mechanische/digitale Wieder­gabe, auch auszugs­weise, nur mit Quellen­angabe „Deutsche Automobil Treuhand GmbH (DAT)“. Kommerzielle Nutzung, auch auszugs­weise, nur nach vorheriger Zustimmung der DAT.

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